Unser Roadtrip

Der Proviant ist geschmiert, das letzte Shirt hat in der hintersten Ecke der Tasche Platz gefunden und die zwei Mietautos stehen bereit, um beladen zu werden. Denn endlich ist es soweit: unser lang ersehnter und geplanter Roadtrip steht vor der Tür und mit ihm die tolle Möglichkeit, 3 Wochen in den langen Sommerferien Südafrika Richtung Westen entlang der "Garden Route" zu erkunden.

Unsere, schon vor der ersten Buchung erstellte, Roadtrip Playlist wird laut aufgedreht und dann heißt es tschüss Berlin, bis in drei Wochen. Der N2 folgen wir mit vielen Zwischenzielen bis Kapstadt, wo wir Silvester mit unseren Mitfreiwilligen feiern werden.

 

Unser erstes Ziel ist Port Elizabeth, wo wir vier Nächte bei befreundeten Freiwilligen unterkommen. Von hier aus fahren wir an einem Tag in den Addo Elephant Park, einem 1640 km² großen Nationalpark, welchen wir mit unserem Auto erkunden. Zuerst entdecken wir Warzenschweine, Schildkröten und Antilopen, bis wir um eine Kurve fahren und uns plötzlich in mehreren Metern Entfernung eine Elefantenherde an einem Wasserloch gegenübersteht. Die großen Dickhäuter faszinieren uns, wie sie in aller Ruhe sich im Matsch suhlen oder sich ein wenig Busch zum Frühstück gönnen, sehr. Sogar auf Löwen unter einem Baum können wir einen Blick erhaschen , sodass unsere erste Safari ein tolles Erlebnis wird.

Von PE aus fahren wir zudem nach Jeffrey's Bay, um dort die Surfing Outlets zu besuchen (leer kaufen hätte wohl unser Budget und den Kofferraum gewaltig gesprengt). Auch spielen wir Paint Ball in PE und besuchen den wunderschönen Strand Sardinia Bay, von dessen Dünen wir den Sonnenuntergang bewundern.

Next Stop: Tsitsikamma National Park. Dort paddeln wir im Rahmen einer Kajak und Lilo Tour über den Indischen Ozean in den Storms River Mouth. Weiterhin führte uns die Tour unter einer Hängebrücke hindurch in eine Schlucht, wo riesige Felswände neben uns in die Höhe ragten.

Auf Luftmatratzen glitten wir durch schmalere Bereiche und erwischten schließlich die beste Zeit, in der die Sonne in den Spalt fiel und so diesen in ein magisches Licht hüllte. Auf unserem Rückweg schwammen sogar Delfine in der Mündung des Flusses neben uns, da war auch der erhöhte Seegang schnell vergessen. Im Anschluss sind wir bis hin zur Brücke gewandert, um einen weiteren tollen Ausblick auf die Flussmündung zu genießen.

An diversen Stränden sind wir auf unserem Roadtrip in die tosenden Wellen des Indischen und später Atlantischen Ozeans (brrr- deutlich kälter!) eingetaucht, jedoch mag keiner mit dem Strand im Nature's Valley zu vergleichen sein. Gelegen an der Groot River Lagune vor saftig grünen Berghängen hat dieses Fleckchen Erde es mir besonders angetan. Und das gleich doppelt: denn über die Schönheit dieses Ortes haben Natalie und ich es mit dem Benutzen der Sonnencreme nicht ganz so genau genommen, sodass ein ordentlicher Sonnenbrand uns noch in den nächsten Tagen daran erinnert hat.

In der Nähe von Plettenberg Bay haben wir auf unserer Reise das Monkeyland besucht, ein Schutzgebiet in dem 11 verschiedene Affenarten leben. Von einem Guide wurden wir durch das sehr große Areal geführt und so konnten wir die Tiere von der Nähe aus beobachten und in meinem Fall natürlich auch fotografieren. Die flinken Äffchen hatten ihren Spaß daran, sich von Baum zu Baum zu schwingen sowie Grimassen für die Kamera zu schneiden.

Angetrieben von Unternehmungslust, sind Natalie und ich von George nach Oudtshoorn aufgebrochen, um dort die Cango Wildlife Ranch zu besuchen. Die Ranch erinnerte eher an einen Zoo in Deutschland, wobei besonders Tiere wie die Big Five dort zu sehen waren. Für uns war dieser Trip zu zweit die perfekte Gelegenheit, um in Ruhe der Fotografie nachzukommen, sodass einige eindrucksstarke Bilder an diesem Tag entstanden sind.

Was macht den Weihnachtsmorgen unvergesslicher als sich durch die engen Spalten einer Tropfsteinhöhle, den Cango Caves, zu quetschen? Krabbelnd, robbend und kletternd bestritten wir die Abenteuertour zu sechst und kamen zum Glück alle wieder heile ans Sonnenlicht, ohne zwischen den Hindernissen stecken zu bleiben.

So haben wir uns die Wichtelgeschenke, die wir bis dahin in einer riesigen Tüte überall mit hingesschleppt hatten, am Abend besonders verdient. Zwei Cocktailbücher habe ich bekommen und eine Black Roll, die besonders aufgrund meines Trainingsplans gute Dienste leisten wird. Im Anschluss genossen wir unser Weihnachtsessen am Strand in Mossel Bay, wo wir spontan einen Tisch ergattern konnten, da Weihnachten in Südafrika erst am 25. Dezember gefeiert wird.

Einen sehr berührenden Gottesdienst haben wir am nächsten Morgen in der New Life Church erlebt. Geprägt war dieser von modernen Lieder zum Mitsingen performt von einer Band (alle im Stehen und mit viel Enthusiasmus!), einer Ansprache, die an eine Comedy Show erinnerte und einer tollen Predigt zum Thema "Being more like Jesus". Die Menschen dort waren uns gegenüber so offenherzig, dass wir zum Schluss noch lange geblieben sind und mit ihnen geredet haben, bis sogar für uns gebetet wurde.

Die nächste Nacht haben wir in Swellendam verbracht. Von hier aus sind wir zum De Hoop Nature Reserve gefahren, welches wir nach einer Stunde Fahrt auf einer Dirt Road erreicht haben. Dort erwartete uns eine einzigartige Dünenlandschaft sowie tolle Klippen und türkisblaues Wasser, das zum Schwimmen einlud.

Weiterhin führte uns unser Road Trip über das Cape Agulhas, wo Atlantik und Indischer Ozean aufeinandertreffen, nach Hermanus. An der Küste dieses Orts, der vornehmlich bei Touristen aufgrund der Walbeobachtung bekannt ist, schlängelt sich ein wunderschöner Weg entlang. 1,5 Stunden habe ich an diesem Abend verbracht, auf dem gewundenen Pfad mit einer einmaligen Aussicht auf das Meer zu joggen, wobei ich Wale zu dieser Jahreszeit leider nicht ausmachen konnte.

Nachdem wir bereits zwei Wochen unterwegs waren, sind wir am 27. Dezember erwartungsvoll in Kapstadt angekommen.

Zuerst haben wir die Waterfront besucht, einer direkt am schönen Hafen gelegenen Mall, von wo aus uns ein toller Ausblick auf den Tafelberg, dem bekannten Wahrzeichen der Stadt, geboten wurde. Eine Rote Bustour gehörte ebenfalls zu unserer Bucket List, um einen ersten Überblick und Eindruck von der Stadt zu bekommen.

Weiterhin haben wir in der Umgebung von Kapstadt den Muizenberg Beach mit den vielen kleinen bunten Häuschen besucht (dieser wäre bestimmt ein Paradis für Pipi Langstrumpf). Um einen Blick auf Pinguine erhaschen zu können, sind wir anschließend zum Boulders Beach gefahren, wo sich die Tiere die warmen Sonnenstrahlen auf den schwarz-weißen Pelz scheinen ließen. Danach haben wir uns auf den Weg zum Kap der Guten Hoffnung gemacht, wo wir im goldenen Licht der Abenddämmerung zum Cape Point hochgewandert sind.

Kirstenbosch, der Nationale Botanische Garten, gelegen am Osthang des Tafelbergs, gilt als einer der schönsten botanischen Gärten der Welt. Kein Wunder, dass Natalie und ich uns einen Besuch nicht nehmen lassen haben und gemütlich durch das satte Grün und die schönen Blumen spaziert sind. Große Begeisterung haben in mir die heimischen Enten geweckt, die badend in dem See für mich und meine Kamera posiert haben. Es folgte ein Abstecher zum Hafen von Hout Bay, wo wir Seelöwen beim Schwimmen und Spielen zuschauen konnten.

Silvester haben wir zuerst entspannt im Backpacker gefeiert und gegen Mitternacht sind wir für das Feuerwerk an die Waterfront gefahren, wo wir mit den anderen Freiwilligen munter ins neue Jahr gestartet sind. Am ersten Tag des neuen Jahres haben wir den Greenmarket besucht, ein großer und vielfältiger afrikanischer Markt mit allerlei selbstgemachten Dingen. Ich habe mir eine Kette mit dem Umriss des afrikanischen Kontinents gekauft, welche ein Herz im südlichsten Teil ziert.

Was wäre ein Trip nach Kapstadt, ohne den berühmten ca. 1000 m hohen Tafelberg zu besteigen? Jonas, Natalie und ich sind in der morgendlichen Frühe aufgebrochen, um den Weg "Skeleton Gorge" durch Kirstenbosch zu nehmen. Dieser Pfad überzeugte durch seine abwechslungsreiche Landschaft und integrierte nach anfänglichem Treppensteigen ab und zu eine kleine Kletterpartie entlang eines Flusses. Später fühlten wir uns in die Gesteinslandschaft von "der Herr der Ringe" versetzt, bis die atemberaubende Aussicht auf Kapstadt vor uns lag. Als Abstieg nahmen wir die "Plattaklip" Route, ein deutlich kürzerer Weg, der zwar eine tolle Aussicht bietet, aber jediglich aus steinernen Stufen besteht.

Nach 3 Wochen durch das Land ziehen heißt es nun für uns: auf nach Berlin! Eine Nacht verbringen wir noch in J-Bay, bis wir dann endlich wieder zu Hause ankommen. Es ist zum Glück nicht eingebrochen worden und dank unserer Putzaktion vor dem Roadtrip sieht es sogar sehr wohnlich aus. Jetzt heißt es erstmal Auspacken, Wäschewaschen, Fotos aussortieren,... bis in zwei Tagen die Schule wieder beginnt.

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