Und das Abenteuer beginnt...

Ein ganz klein wenig vollbepackt ging es los
Ein ganz klein wenig vollbepackt ging es los

Molo! Unjani!

 

So wird man hier überall auf den Straßen begrüßt, und besonders wenn der Schulleiter der Nobuto Primary School in seiner Willkommensrede an uns "Willkommen in der Familie" sagt, dann merkt man die Herzlichkeit der Menschen hier und fühlt sich direkt wohl.

 

Hier? Zweieinhalb Wochen habe ich bereits in meinem neuen Zuhause verbracht und so langsam kommen wir so richtig an. Los ging es für mich und meine Mitfreiwilligen am 16.09. vom Frankfurter Flughafen aus über einen Zwischenstopp in Johannesburg nach East London. Dort haben wir in der Wohnung der Freiwilligen eine Nacht verbracht, bis wir in unser kleines Dorf Berlin, etwa 30 km nördlich von East London, nach einigen überwundenen Hürden wie das Nichtfinden des Hausschlüssels, in unserem kleinen Citi Golf aufgebrochen sind. Bereits auf dem Weg sind uns die großen Gegensätze in diesem Land aufgefallen. Limousinen schlängeln sich neben halb auseinanderbrechenden, aber sich noch irgendwie fortbewegenden Fahrzeugen durch die Straßen. Am Wegesrand stehen schicke Häuser, mit Elektrozäunen versehen und auf der anderen Seite erstrecken sich bis zum Horizont provisorisch erbaute Wellblechhütten, die so genannten Townships. In solch einem Township liegen auch unsere Schulen, an denen wir an diesem Nachmittag noch vorgestellt werden. Zuerst fällt dort auf, dass alle Kinder Schuluniformen tragen, sodass man den sozialen Stand der Kinder nicht erkennen kann. Bei unserer Ankunft sind sie, falls dies denn möglich ist, sogar noch aufgeregter als wir. Sie laufen schreiend auf uns zu, wollen uns umarmen und fragen auf Xhosa mit "Ungubani igama lako?" nach unseren Namen. Die Berlin Primary School, die wir zuerst besuchen, fällt, als ehemalige Privatschule, im Vergleich zu den anderen zwei Schulen durch den fast gänzlich weißen Lehrkörper und die gute Organisation auf. An der Nobuto Primary und der Nkosinathi Primary School, wo ich dieses Jahr arbeiten werde, spürt man die sogenannte African Time deutlich mehr. Die Lehrer und Schüler scheinen entspannter, nichts hat seine Eile, aber überall wird man freundlich begrüßt. Nach einem netten Willkommen heißen durch die Schulleiter fahren wir zu unserer Freiwilligen-WG, die wir nun endlich beziehen können. Das Haus ist sehr geräumig und besonders das gemeinsame Wohnzimmer stellt sich in den nächsten Tagen super dafür heraus, um gemeinsam zu essen und Zeit zu verbringen. Da die Vorfreiwilligen das Haus leider sehr unordentlich und dreckig hinterlassen haben, stellen wir uns erst einmal zusammen der Aufgabe, das Haus auf Vordermann zu bringen und leben uns innen gestalterisch aus. Besonders zu Beginn hatten wir Besuch von vielen Kindern, die uns kennenlernen wollten. Da wir gerade im Garten am Aufräumen waren, packten sie beherzt mit an. Jetzt spielen besonders die Nachbarskinder viel vor unserem Haus oder mit uns im Garten, wofür wir vor einer Woche nun extra ein Volleyballnetz einbetoniert haben. Wir waren außerdem für einige Besorgungen schon öfter in East London, wo ich die Möglichkeit ergriffen habe, mich das erste Mal im Indischen Ozean in die tosenden Wellen zu werfen und sogar ein wenig zu surfen, welches sich jedoch deutlich schwieriger erwiesen hat, als gedacht, aber unglaublich viel Spaß macht.

Jetzt sind zurzeit Schulferien, aber ich möchte gerne von meinen ersten Schultagen an der Nkosinathi Primary School berichten:

 

1. Schultag, Mr. Mnweba, der Schulleiter der Nkosinathi möchte sich um zehn Uhr mit uns treffen. Typisch deutsch gehen wir extra pünktlich los, fragen eine sehr nette Frau nach dem Weg und treffen natürlich deutlich zu früh an der Schule ein. Dann warten wir und erleben gleich die African Time hautnah. 20 Minuten. Halbe Stunde. Eine Stunde sitzen wir da, unterhalten uns und warten. Irgendwann kommt eine Frau, die sich mit Mama vorstellt und führt uns durch die einzelnen Klassen und stellt uns den Kindern vor, da der Principal in einem Meeting ist und keine Zeit hat. Dann dürfen wir auch schon wieder nach Hause gehen, sodass die Arbeit für uns wohl heute entfällt.

 

2. Schultag, Heritage Day. Welch ein tolles Erlebnis, das wir bereits zu Beginn unseres Jahres erfahren dürfen. Heute tragen sowohl Schüler, als auch Lehrer ihre traditionellen Gewänder und führen Tänze ihrer Kultur auf. Daher sind wir extra früh aufgestanden, um bereits beim morgendlichen Assembly der Schüler mit dabei zu sein. Die Kinder, hier "learners" genannt, reihen sich vor dem Schulleiter in mehreren Reihen auf und beginnen auf Xhosa im Kanon zu singen. Nach einer Weile schließen sie die Augen und Mr. Mnweba spricht ein Gebet. Dann gehen die Kinder, abhängig von der Klassenstufe, mit dem Lied "We are marching in the light of God" nacheinander in die Klassenräume. Bendix und ich schließen uns danach den Lehrern beim Kochen der traditionellen Gerichte an, wofür wir Kohl und Kohlrabi inklusive Blätter in kleine Stücke schneiden. Im Anschluss versammeln sich die Kinder in der geschmückten Aula, wo sie kulturellen Tänze aufführen, welche uns sehr beeindrucken. Auch wird uns von den zuvor zubereiteten Gerichten angeboten. Das gekochte Brot und das Gemüse überzeugen uns besonders, die Leber ist deutlich besser als erwartet, aber für uns noch etwas gewöhnungsbedürftig und gehört auch zu dem "Kulturschock", den wir zurzeit durchleben.

Da hier bald Schulferien sind, findet an den nächsten Tagen kaum noch Unterricht statt. Viele Kinder halten sich außerhalb der Klassenräume auf dem Schulgelände auf, sodass das Realisieren von richtigem Sportunterricht sich für uns als sehr anstrengende und schwierige Aufgabe herausstellt. Trotzdem geben wir unser Bestes und lernen viele neue Spiele wie "Open the Gate" und "Who is scared of the lion?", welche wohl mit "Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?" in Deutschland vergleichbar sind. Auch haben die Kinder sehr viel Spaß am Tanzen und Singen. Uns fällt auf, wie die Genderrollen sich in den unterschiedlichen Sportarten zeigen. Die Jungen möchten vor allem Fußball und Rugby spielen, wohingegen den Mädchen das oft mit zu viel Körpereinsatz verbunden ist, sodass sie besonders gerne Netball spielen. In dem Jahr werde ich versuchen, dies mehr zu durchmischen, aber da wir in den ersten Tagen die ganze Schule bei uns draußen und auf dem Sportfeld hatten, war unser erstes Ziel, so viele Kinder wie möglich sportlich einzubinden und zu beschäftigen. Da ist in Zukunft, wenn wir nur eine Klasse haben, die aber auch aus bis zu 7o Kindern bestehen kann, noch deutlich Potenzial. So merkt man schnell, dass Flexibilität und Spontaneität hier besonders gefragt sind und dass kaum etwas sofort perfekt klappt, das man sich vorgenommen hat. So werden wir nach den Ferien weiter an den Herausforderungen in der Schule arbeiten.

Zu Besuch bei der Nobuto Primary School mit meinen Mitfreiwilligen Joost, Bendix, Marina, Maren und Natalie
Zu Besuch bei der Nobuto Primary School mit meinen Mitfreiwilligen Joost, Bendix, Marina, Maren und Natalie