Athletics

"Baleka, baleka!" (Lauf, lauf!) rufen die Kinder der Nkosinathi Primary School und singen Lieder im Chor als Anfeuerung für ihre Mitschüler. Diese treten im Januar in den Leichtathletikwettkämpfen gegen die anderen Schulen an. Aufgrund dessen sind Bendix und ich für das Training unseres Teams verantwortlich.

 

Zuerst stehen wir vor der großen Herausforderung: Wie wählen wir aus allen Kindern der Schule die besten Sportler in den verschiedenen Altersklassen und Disziplinen aus? Mithilfe dreier Lehrer, die für den Sport an unserer Schule zuständig sind, stellen wir uns der Challenge und lassen die Schüler nacheinander ihr Können in Sprint, Ausdauerlauf, Racewalk sowie Hoch- und Weitsprung beweisen. Schließlich steht das Team für die erste Runde fest, welches an der Berlin Primary School gegen die anderen Schulen des Ortes antritt. Die Stimmung an dem Tag ist herausragen und viele Schüler sind gekommen, um ihre Freunde zu unterstützen. Wir Freiwilligen führen verschiedene Disziplinen durch, Bendix und ich sind den Tag über dabei anzutreffen, die Hochsprunglatte wieder und wieder auf die Ständer zu legen, um die besten Schüler im Hochsprung zu ermitteln. Die Kinder der Nkosinathi schneiden sehr gut ab, sodass wir in den nächsten Wochen vornehmlich das Leichtathletikteam trainieren. Dies funktioniert auch ohne gute Ausstattung: die Athleten laufen um das Rugbyfeld, sprinten von Hütchen zu Hütchen oder springen über ein Springseil und landen auf Schaumstoffkissen, welche normalerweise für das Rugbytraining bestimmt sind.

 

Anakho ist bereit für den Start
Anakho ist bereit für den Start

Es zeigt sich schnell, dass äußerst talentierte Kinder unsere Schule besuchen, sodass neun von ihnen sogar im regionalen Wettkampf in East London antreten. Die Staffel der Jungen zeigt sich siegessicher und überquert unter lauten Jubelrufen als erste die Ziellinie. Ich finde beeindruckend, wie die unterstützenden Lehrer auf der Tribüne stehen, singen und tanzen anstatt wie in Deutschland deutlich steifer sitzend zuzuschauen. Das macht gleich gute Laune!

 

Dass Strukturen wie diese existieren, um talentierte Kinder zu fördern und Perspektive zu schenken, finde ich sehr gelungen. Mich hat überrascht, dass für die Teilnahme sogar Ausweise mit Kopien der Geburtsurkunden für jedes Kind ausgestellt wurden und muss zugeben, dass ich Bürkoratie in einem solchen Maße hier nicht erwartet hätte. Andererseits hat mich bedrückt, dass ein Mädchen, das bei ihrer Großmutter wohnt, nicht teilnehmen konnte, da ihre Geburtsurkunde nicht auffindbar war.